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Ehemalige Abgeordnete als Gastdozenten an der Uni Bonn

Ein großer Gewinn für Studierende

Prof. Dr. Uwe Holtz

„Den besonderen Wert von Veranstaltungen mit Ehemaligen sehe ich darin, nicht nur Politikwissenschaft aus Büchern lernen, sondern einige Beteiligte einmal ’live’ erleben zu können – als faszinierende Menschen und über die nachlesbaren Fakten hinausgehend.“ So das Urteil einer Studentin über das von unserer Vereinigung gestartete Programm „Ehemalige in die Unis/Hochschulen“, das seit dem Sommersemester 2003 im Bereich Politische Wissenschaft an der Universität Bonn angesiedelt ist und mit Erfolg läuft – in der letzten Zeit auch unter Einschluss von Hochschulen in der Nachbarschaft.

Vom Sommersemester 2003 bis zum Wintersemester 2014/15 haben insgesamt 112 Gastvorträge stattgefunden, an denen dankenswerterweise 42 Kolleginnen und Kollegen einmalig oder auch mehrfach mitgewirkt haben, und zwar Dr. Walter Althammer, Dr. Andreas von Bülow, Dr. Hans Daniels, Rudolf Dressler, Freimut Duve, Dr. h. c. Leni Fischer, Dr. Manfred Gessner, Dr. Hugo Hammans, Klaus Jürgen Hedrich, Prof. Dr. Uwe Holtz, Dr. Heinz Günther Hüsch, Dr. Wilhelm Knabe, Roland A. Kohn, Karin Kortmann, Dr. Karl Lamers, Prof. Dr. Gerd Langguth, Prof. Dr. Ursula Lehr, Marlene Lenz, Ingrid Matthäus-Maier, Ursula Mogg, Dr. Franz Möller, Friedhelm Ost, Dr. Wilfried Penner, Prof. Dr. Winfried Pinger, Dr. h. c. Annemarie Renger, Dr. Bertold Reinartz, Friedhelm Rentrop, Wolfgang Roth, Harald B. Schäfer, Helmut Schäfer, Heribert Scharrenbroich, Dieter Schloten, Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, Klaus Thüsing, Adelheid Tröscher, Hans Wallow, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Dr. Dorothee Wilms, Bernd Wilz, Peter Kurt Würzbach, Prof. Dr. Christoph Zöpel und Dr. Wolf-Dieter Zumpfort.

Inhaltlich lassen sich die Einsätze grosso modo drei Kategorien zuordnen:
(I) Einblicke in die Werkstatt der Demokratie und des Parlaments
(II) Gastvorträge zu aktuellen oder historischen Themen
(III) Vorträge zu Fragen, die mit der post-parlamentarischen Tätigkeit der Kolleginnen und Kollegen zusammenhängen

Die meisten Vorträge und Diskussionen gehörten zur ersten Kategorie und waren für die Studierenden oft am spannendsten, was die Verbindung von politischer Theorie und Praxis anging. Sie galten bspw. folgenden Themen:

  • Ein Leben für die parlamentarische Demokratie
  • Spannungsfeld zwischen aktiver Politik und der Politikwissenschaft
  • Innenpolitik und innerparlamentarische Aspekte aus dem Nähkästchen
  • Erfahrungen mit der Parlamentsreform und der Enquete-Kommission
  • Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre
  • Ein- und Aufstieg in die Politik
  • Abstieg, Erfahrungen als Bundes- und Kreispolitiker
  • Entwicklungspolitiker im Parlament – ein Rückblick mit Folgen
  • Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages und das Konzept der Inneren Führung
  • Parlamentarische Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung und europäischen Integration
  • Engagement eines deutschen Bürgers für Demokratie und Gerechtigkeit in Chile
  • Die Bedeutung der Fraktion für den Aufstieg der Bundeskanzlerin Dr. Merkel

Ebenfalls bei den Gastvorträgen zu aktuellen oder historischen Themen wurde die parlamentarische Erfahrung deutlich, oft noch zusätzlich angereichert durch die Tätigkeit in hohen Funktionen (wie etwa Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats) oder im Amt als Ministerin oder Staatssekretär. Themen waren u. a.:

  • Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
  • 50 Jahre Europäische Menschenrechtskonvention
  • Universelle Demokratie-Erklärung der Inter-Parlamentarischen Union
  • Aktuelle Entwicklungen der Schul- und Hochschulpolitik
  • Demografischer Wandel
  • Friedenssicherung und Abrüstung
  • Wiederbewaffnung der Bundeswehr in den fünfziger Jahren
  • Persönliche Begegnung mit Konrad Adenauer
  • Beitritt der Türkei zur EU
  • Terrorismus
  • EU-Verfassungsvertrag
  • Deutsche Entwicklungspolitik gegenüber den Ankerländern China und Indien
  • Einsatzarmee Bundeswehr und der Primat der Politik
  • Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik in der Ära Merkel
  • globale Umweltpolitik
  • Beiträge der Entwicklungspolitik zur Armutsbekämpfung und Krisenbewältigung
  • Die Frage der äußeren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland
  • Die Zukunft der deutsch-französischen Freundschaft

Mehrere Ehemalige konnten für die Studis wertvolle Gesprächspartner sein, weil sie zu Themenfeldern aus ihren post-parlamentarischen Tätigkeiten (z. B. bei der Europäischen Investitionsbank, Wirtschaftsunternehmen oder für Entwicklungsinstitutionen im Auslandseinsatz) referierten, so etwa über:

  • Mikrofinanzierung als stabiler Faktor in der Finanzmarktkrise
  • Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und institutionellen Reformen in den neuen EU-Mitgliedstaaten
  • Israel und Palästina – Vor-Ort-Erfahrungen eines ehemaligen Botschafters
  • Die Rolle des Lobbyismus
  • Die regionale Integration Südamerikas oder über Namibia
  • Die EU und Südafrika
  • Die entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation CARE oder über Mikrofinanzierung als stabiler Faktor in der Finanzmarktkrise

Mit diesem Programm leisten die Ehemaligen einen wertvollen Beitrag zur Erfüllung des Zwecks unseres Vereins, nämlich „mit der Erfahrung seiner Mitglieder der parlamentarischen Demokratie in Deutschland zu dienen“ (Satzung, § 2 Abs. 1). Und Studierende gewinnen Einsichten in die praktische Politik, wie sie so nicht über Bücher und Medien vermittelt werden; zugleich wird ihre Motivation für das Studium und den Einsatz für die Demokratie erhöht. Außerhalb dieses Programms haben begrüßenswerterweise Mitglieder unserer Vereinigung selbst die Initiative ergriffen und treten in Veranstaltungen verschiedener Hochschulen auf.

Es wäre wünschenswert, wenn das Programm auf andere Hochschulen ausgeweitet werden könnte. Dabei sollten die in Bonn gemachten Erfahrungen berücksichtigt werden:
-> An der betreffenden Hochschule bzw. dem in Frage kommenden Fachbereich sollte zumindest ein Dozent als Ansprechpartner gewonnen und mit ihm eine Verständigung über den konkreten Bedarf herbeigeführt
-> ein Probelauf mit Kolleginnen und Kollegen – möglichst aus dem näheren Raum – vereinbart und spätestens nach einem erfolgreichen Probelauf die Koordinatorenfrage geklärt werden

Schwierigkeiten rühren bei den Hochschulen auch daher, dass in den z. T. übervollen Seminaren meist nicht genügend Zeit für externe Vortragende zur Verfügung steht und seit der Einführung der neuen konsekutiven Studiengänge, wie im BA- und MA-Bereich, oft ein sehr dichtes Zeitkorsett vorherrscht.

Die Geschäftsstelle der Vereinigung bietet Unterstützung an, u. a. Übernahme der Fahrtkosten sowie ein “Honorar” in Höhe des Mitgliedsbeitrages.

Koordinatoren des Programms an der Universität Bonn: Ab Wintersemester 2013/14 Dr. Jürgen Rüttgers; vom Sommersemester 2010 bis zum Sommersemester 2013 †Prof. Dr. Gerd Langguth; vom Sommersemester 2003 bis zum Wintersemester 2009/10 Prof. Dr. Uwe Holtz

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Die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. h.c. Annemarie Renger am 25.11.2004 vor Bonner Studenten über ihr Leben für die parlamentarische Demokratie, © Uwe Holtz